Die Birkenbihl-Methode

Die Birkenbihl-Methode ist nach der deutschen Managementtrainerin Vera F. Birkenbihl benannt und basiert auf Erkenntnissen aus Gehirnforschung und Sozialwissenschaften. Die Idee dahinter ist so genial wie simpel: Eine neue Sprache lernen wie einst die Muttersprache. Und das komplett ohne Vokabeln und Grammatikregeln!

Warum Vokabellernen nicht funktioniert

Vera F. Birkenbihl nannte das Lernen von endlosen Vokabellisten und Grammatikregeln einmal „kognitives Vakuum“. Warum? Es entspricht einer Druckbetankung mit neuen Informationen – und das macht für unser Gehirn einfach keinen Sinn. Denn Lernen ist die Umgestaltung von Informationen. Und wenn wir eine Information oder Vokabeln nur stur auswendig lernen, führt das so gut wie nie zur Umgestaltung von Informationen in unserem Gehirn.

Was bedeutet Umgestaltung? Lesen Sie beispielsweise das Wort „Auto“, ist die visuelle Umgestaltung das Bild, das Sie währenddessen vor sich sehen: eine viereckige Kiste mit vier Rädern. Das ist die kognitive Leistung, die unser Gehirn erbringt. Dabei spielen vor allem Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Erinnerungen eine wichtige Rolle für den Lernprozess. Je interessanter und spannender das wahrgenommene Objekt für Sie ist, desto schneller läuft der kognitive Prozess der Umgestaltung ab.

Auswendiglernen liefert stattdessen isolierte Informationen, die Sie nicht wirklich wahrnehmen und verarbeiten können. Dadurch erfolgt keine Umgestaltung und kein Erlernen der neuen Sprache. Sprachkurse nach der Birkenbihl-Methode können hier Abhilfe schaffen…

Sprachen lernen mit der Birkenbihl-Methode

Zentraler Bestandteil der Birkenbihl-Methode ist, dass die Fremdsprache zuerst verstanden werden muss – denn nur dann kann das Gehirn selbstständig die Sprache lernen. Alle anderen Ansätze führen zu Enttäuschung und Lernfrust und nehmen den Spaß am Lernen der Fremdsprache. Doch was müssen wir tun, um eine fremde Sprache zu verstehen und anzuwenden?

Schritt 1: Verstehen

Um die Bedeutung der neuen Wörter zu verstehen, verwenden Sie zunächst eine sogenannte Dekodierung (Wort-für-Wort-Übersetzung). Das heißt, Sie nehmen den fremdsprachigen Text und schreiben die dazugehörige Übersetzung in Ihrer Muttersprache direkt darunter. Diese Technik ermöglicht es Ihnen, den Aufbau und die Struktur einer Sprache ohne Verwendung von Grammatikregeln intuitiv zu verstehen.

Beispiel (Zielsprache: Italienisch, Muttersprache: Deutsch).

Und keine Sorge, wenn der übersetzte Satz in Ihrer Muttersprache keinen Sinn ergibt bzw. grammatikalisch nicht korrekt ist. Die gute Nachricht – Ihre Muttersprache beherrschen Sie ja bereits. Sie nutzen also die Muttersprache nur als Krücke, um die neue Sprache zu verstehen.

Schritt 2: Aktiv hören

Im nächsten Schritt hören Sie aktiv die neue Sprache und lesen parallel dazu die Wort-für-Wort-Übersetzung. Auf diese Weise machen Sie sich mit dem Sprechrhythmus und den Sätzen der neuen Sprache vertraut. Hören Sie Stück für Stück den Text an und drücken Sie dabei so oft wie nötig auf Pause, um sich an den Klang der Sprache zu erinnern. Nach und nach wird Ihnen der Text immer vertrauter und Sie werden seltener auf Pause drücken – bis Sie schließlich den kompletten Text ohne Unterbrechungen hören und gut verstehen können. Sobald Sie jedes Wort ohne die Dekodierung verstehen, ist das aktive Hören beendet.

Frau sitzt am Fenster mit Headset

Schritt 3: Passiv hören

Nachdem Sie nun in der Lage sind, die neue Sprache zu verstehen, ist es Zeit, dass Sie die Fremdsprache sprechen und anwenden. Sicherlich kennen Sie die vorherrschende Meinung, dass eine neue Sprache nur im fremden Land wirklich gut gelernt werden kann. Warum? Weil Sie dort der Sprache kontinuierlich ausgesetzt sind, selbst wenn Sie aktiv gar nicht an Gesprächen teilnehmen. Im Restaurant, im Bus, in der Schule oder beim Bummeln in der Stadt – überall unterhalten sich Menschen in Ihrer Wunschsprache und Sie werden ständig (nebenbei und völlig unbewusst) mit der neuen Sprache konfrontiert. Passiv hören ist dabei das Stichwort!

Und genau das wenden Sie bei der Birkenbihl-Methode ebenfalls an. Denn durch passives Hören lernen Sie unterbewusst auch das Sprechen der Fremdsprache – und das ohne Zeit dafür aufzuwenden. Spielen Sie beispielsweise die in Schritt 1 aktiv gehörten und bereits verstandenen Dialoge leise im Hintergrund ab, während Sie sich auf andere Dinge konzentrieren. Idealerweise lassen Sie die Texte den ganzen Tag über und, falls möglich, in der Nacht laufen. Auch wenn Sie es nicht merken – Ihr Unterbewusstsein hört genau zu und bereitet das Gehirn auf das Sprechen der neuen Sprache vor, indem es die nötigen Nervenbahnen aufbaut.

Schritt 4: Weitere Aktivitäten

Der vierte und optionale Schritt umfasst weitere Lernaktivitäten, um die Sprache anwenden zu können. Wenn Sie lediglich das Verstehen der Sprache erreichen wollen, sind bereits die ersten zwei Schritte ausreichend. Ansonsten können Sie unterschiedliche Übungen anschließend, um aktiv das Sprechen, Lesen und Schreiben in der Zielsprache zu trainieren. So können Sie beispielsweise die Texte über Kopfhörer anhören und „im Chor“ mitsprechen oder auch mitschreiben.

Durch diese Vorgehensweise lernt vor allem das Gehirn, auf eine natürliche Art eine neue Sprache ohne Vokabeln oder Grammatik zu lernen. Sie simulieren dabei, wie Sie einst auch Ihre Muttersprache gelernt haben. Zugleich nutzen Sie die bisherigen Sprachkenntnisse als Lernhilfe, um die neue Sprache zu verstehen.


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